Carola Moosbach

Bereitet die Wege

BWV 114: Ach lieben Christen seid getrost
Kantate zum 17. Sonntag nach Trinitatis

1. Choral
Ach, lieben Christen, seid getrost,
Wie tut ihr so verzagen!
Weil uns der Herr heimsuchen tut,
Lasst uns von Herzen sagen:
Die Straf wir wohl verdienet han,
Solchs muss bekennen jedermann,
Niemand darf sich ausschließen.

2. Arie Tenor
Wo wird in diesem Jammertale
Vor meinen Geist die Zuflucht sein?
    Allein zu Jesu Vaterhänden
    Will ich mich in der Schwachheit wenden;
    Sonst weiß ich weder aus noch ein.

3. Rezitativ Bass
O Sünder, trage mit Geduld,
Was du durch deine Schuld
Dir selber zugezogen!
Das Unrecht säufst du ja
Wie Wasser in dich ein,
Und diese Sündenwassersucht
Ist zum Verderben da
Und wird dir tödlich sein.
Der Hochmut aß vordem von der verbotnen Frucht,
Gott gleich zu werden;
Wie oft erhebst du dich mit schwülstigen Gebärden,
Dass du erniedrigt werden musst.
Wohlan, bereite deine Brust,
Dass sie den Tod und Grab nicht scheut,
So kämmst du durch ein selig Sterben
Aus diesem sündlichen Verderben
Zur Unschuld und zur Herrlichkeit.

4. Choral Sopran
Kein Frucht das Weizenkörnlein bringt,
Es fall denn in die Erden;
So muss auch unser irdscher Leib
Zu Staub und Aschen werden,
Eh er kömmt zu der Herrlichkeit,
Die du, Herr Christ, uns hast bereit'
Durch deinen Gang zum Vater.

5. Arie Alt
Du machst, o Tod, mir nun nicht ferner bange,
Wenn ich durch dich die Freiheit nur erlange,
Es muss ja so einmal gestorben sein.
    Mit Simeon will ich in Friede fahren,
    Mein Heiland will mich in der Gruft bewahren     
    Und ruft mich einst zu sich verklärt und rein.

6. Rezitativ Tenor
Indes bedenke deine Seele
Und stelle sie dem Heiland dar;
Gib deinen Leib und deine Glieder
Gott, der sie dir gegeben, wieder.
Er sorgt und wacht,
Und so wird seiner Liebe Macht
Im Tod und Leben offenbar.

7. Choral
Wir wachen oder schlafen ein,
So sind wir doch des Herren;
Auf Christum wir getaufet sein,
Der kann dem Satan wehren.
Durch Adam auf uns kömmt der Tod,
Christus hilft uns aus aller Not.
Drum loben wir den Herren.

Text: unbekannter Dichter; 1, 4, 7: Johannes Gigas 1561


Poetischer Kommentar:

Frieden machen

Am Morgen schon Schmerzen wo ist Heilung
am Mittag die Wut was soll das alles
am Abend die Trauer ich bin alleine
die Nacht zieht herauf bleckt die spitzen Zähne

Ich dachte das passiert nur anderen
denen mit dem falschen Leben
dem falschen Essen
dem falschen Denken
ich dachte ich wäre unangreifbar
falsch gedacht

Es gibt kein Warum
so ist es eben
ich bin nicht schuld
niemand kann endlos leben
krank werden gesund werden
irgendwann sterben
so ist es eben

Damit kann ich leben
Gott setzt die Grenzen
damit kann ich sterben
Gott löst sie auf

© Carola Moosbach

Dieses Gedicht wurde von Thomaskantor Georg Christoph Biller vertont.
Er widmete es dem Leipziger Gewandhauskapellmeister Kurt Masur,
der 2015 nach längerer Krankheit starb.

 


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