Kolumnen
Spielwiese am Kirchenrand
Frauengottesdienste (Teil 1)
In der evangelischen Kirche gibt es Gottesdienste und Frauengottesdienste.
So wie es Theologie gibt und feministische Theologie. Da wo Männer
die Norm und Frauen die "anderen" sind, können ein "normaler"
Gottesdienst kein Frauengottesdienst und die "normale"
Theologie keine feministische sein.
In einem sprachlich und inhaltlich einseitig an Männern ausgerichteten,
also ganz normalen Gemeindegottesdienst bin ich folglich kaum mehr
als eine "mitgemeinte" Randerscheinung, "anders"
eben.
Deshalb bin ich froh, daß es Frauengottesdienste gibt. Gottesdienste, in denen ich mit meinen Erfahrungen und meinem Leben vorkomme und in denen Gott nicht zum Supermann erniedrigt wird. Die Frage ist aber: Was wird eigentlich aus den "normalen" Gemeindegottesdiensten? Soll dort alles seinen üblichen, versteinerten Gang gehen, während wir damit beschäftigt sind, unser kleines Fraueneckchen gemütlich einzurichten? Und was mache ich an den restlichen 50 oder 51 Sonntagen im Jahr, an denen kein Frauengottesdienst ist? Für mich jedenfalls ist Gott ein Brot, das geteilt werden will - und das nicht nur einmal im Jahr.
Die Freiräume, die wir uns mit den Frauengottesdiensten geschaffen
haben, sollten uns nicht darüber hinwegtäuschen, daß außerhalb dieser
Nische im wesentlichen alles beim alten geblieben ist. Schon ein
Blick in das "neue" Evangelische Gesangbuch belegt dies
in erdrückender Weise.
Statt eine Spielwiese "am Rande" der Kirche zu sein, müssen
unsere Gottesdienste daher Ausgangs- und Hoffnungspunkte werden
für die hartnäckige Forderung nach einer grundlegend erneuerten
Liturgie und Gottessprache in den Gemeinden - Sand im Getriebe eines
leerlaufenden Sonntagsrituals.
© C. Moosbach Februar 1999