Kolumnen
Protest gegen "Heppenheimer Erklärung"
Vom 6. bis 8. Juni 2005 fand in Heppenheim eine kirchlich-ökumenische Konferenz zur Halbzeit der weltweit ausgerufenen Dekade: "Gemeinsam Gewalt überwinden" statt. Die Konferenz wurde mit einem Abschlussdokument, der "Heppenheimer Erklärung" beendet.
Unter www.gottes-suche.de - einer Website für gewaltüberlebende Christinnen - veröffentlicht
Rika einen Protestbrief gegen diese Heppenheimer Erklärung
(siehe dort "Aktuelles").
Ich schließe mich diesem Protestbrief ausdrücklich an.
Und frage mich und andere, wann die christlichen Kirchen endlich
anfangen werden, nicht über sondern mit den Opfern und Überlebenden
von (sexueller) Gewalt zu sprechen. Aber dann müsste man sich
womöglich wirklich und ernsthaft mit den Tätern anlegen
und unbeirrt für die Opfer Partei ergreifen - das könnte
unangenehm werden. Da gibt man doch lieber weiter und stets kostenlos
und unverbindlich lauwarme Wischi-Waschi-Erklärungen ab, in
denen über die konkrete und allgegenwärtige familiäre
Gewalt vor (oder hinter?) unserer Haustür höchst allgemein
geschrieben oder sollte ich besser sagen: geschwiegen wird. Als
"Sahnehäubchen" obendrauf und fast wie nebenbei wird
in dieser Erklärung dann auch noch der Unterschied zwischen
Opfern und Tätern in skandalöser Weise verwischt.
Wie kommt es nur, dass weltweit und quer durch alle Gesellschaftsschichten
Männer sehr viel häufiger als Frauen (sexuelle) Gewalt
ausüben und dass Frauen (und Kinder) umgekehrt sehr viel häufiger
als Männer Opfer dieser Gewalt sind? Besonders Mutige sprechen
in diesem Zusammenhang von Patriarchat oder auch von struktureller
Gewalt. Und wie kommt es nur, dass diese doch eigentlich offensichtliche
Gewaltstruktur immer wieder und besonders gerne in kirchlichen Kreisen
übersehen wird?
Mein Fazit: Zwar werden viele meiner Texte in den diversen Sonder-
und Materialheften zur Dekade "Gewalt überwinden"
nachgedruckt. Verstanden worden sind sie aber offenbar bisher nicht.
Ich kann leider nicht sagen, dass mich das überrascht, wohl
aber, dass es mich bitter enttäuscht.
© C. Moosbach 2005